English

Zürich 2011

 

Blick auf eine erfolgreiche Biennale Lucia Mense, Annette John, Matthias Weilenmann, Doerte Nienstedt

Lucia Mense, Annette John, Matthias Weilenmann, Dörte Nienstedt 

Nach dreieinhalb Jahren Präsidentschaft hat Dörte Nienstedt nun das Amt an die neue ERPS-Präsidentin Lucia Mense abgegeben. In der Mitgliederversammlung wurden weiterhin Annette John als Vizepräsidentin, Wolf Meyer als Kassenwart und Justus Willberg als Schriftführer bestätigt.

weitere Fotos in der Fotogalerie Zürich Biennale 2011 

  

Die 5. ERPS-Biennale „Spotlights“ in Zürich   - 

Ausblicke in Vergangenheit und Zukunft der Blockflöte

Vom 2. – 4. September fand in der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) die 5. Biennale der European Recorder Players Society (ERPS) statt, die diesmal unter dem Motto „Spotlights – vor 1550…nach 2008“ stand und der zahlreich angereisten Blockflötenwelt wieder einmal drei reich gefüllte Tage bescherte.Mehr als ein Jahr hatte das Team um den künstlerischen Leiter Prof. Matthias Weilenmann beraten, organisiert und geplant und dabei ganze Arbeit geleistet: Ein reibungsloser Ablauf und die freundliche Atmosphäre begeisterten nicht nur die Besucher, sondern auch die teilnehmenden Musiker. Gemäß dem obigen Motto sollte das Festival quasi die derzeitigen Randbereiche des Blockflötenrepertoires aus- oder beleuchten und bot damit eine Art Standortbestimmung der Blockflöte im Jahr 2011.
Den Auftakt am Freitagabend machte ein Vortrag von Prof. Conrad Steinmann unter dem Titel „Sappho und ihre Musik“, gefolgt von den ersten zwei von insgesamt neun Konzerten. Besonderes Lob verdienen an dieser Stelle wohl Aline Burla, Maria Hänggi, Anja Margarita Kaufmann und Nicole Meule, die neben ihrer Arbeit im Organisationsteam noch ein äußerst professionelles Konzert mit ihrem gemeinsamen Lehrer Matthias Weilenmann spielten. Es erklang englische Musik aus der Zeit um 1550, kunstvoll verknüpft mit Interventionen zweier junger Zürcher Kompositionsstudenten und einem Werk des Komponisten und Dozenten der ZHDK Peter Siegwart.  Fünf der insgesamt sieben Uraufführungen des Festivals hatten bereits in diesem Konzert ihren Platz, das dem Motto der Biennale 2011 alle Ehre machte.
Der Samstag und Sonntag sorgten weiter für Begegnungen von Musikern unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern, wobei viele der auftretenden Blockflötisten aus den Reihen der ERPS e.V. stammten. Das Trio Viaggio, bestehend aus Annette John, Katrin Krauß und Tanja Peemöller, setzten das Prinzip der Mischung von Alt und Neu fort. Wunderschöne Melodien aus Mittelalter und Renaissance wechselten sich ab mit Werken moderner Komponisten wie Sascha Lino Lemke, Ezzat Nashashibi und Samir Odeh Tamimi. Anschließend präsentierte Dörte Nienstedt mit dem Programm „Klänge der Nacht“ eine Hommage an die tiefen Mitglieder der Blockflötenfamilie. Zum ersten Mal zeigten sich hier in der Komposition des Franzosen François Rossé die Gegenpole Technik/Elektronik versus Natur, die in unterschiedlicher Art und Weise in vielen der in Zürich aufgeführten Stücke thematisiert wurden. Die Komponisten bedienten sich häufig der technischen Möglichkeiten, um Naturklänge abzubilden oder nachzuempfinden und schafften somit auch in dieser Hinsicht eine Verbindung zwischen gestern und heute, zwischen vorzivilisatorischer und industrialisierter Welt.
Das Trio Axolot sowie Lucia Mense in Zusammenarbeit mit Sascha Lino Lemke loteten die Möglichkeiten der Live-Elektronik aus und zeigten, auf welche Weise sich durch im Konzertsaal verteilte Lautsprecher Raumklänge erzeugen lassen. Außergewöhnliche Besetzungen boten am Samstagabend das Ensemble Diferencias  und am Sonntagmittag das Ensemble Effusions und bewiesen, dass die Blockflöte einerseits in fast allen Ländern Europas genutzt wurde und wird und andererseits ihren gleichberechtigten Rang neben Instrumenten wie Klavier oder Violine hat.  Als besonders interessant erwies sich auch die Anwesenheit einiger Komponisten, die Erklärungen zu ihren Stücken geben konnten und somit die enge Zusammenarbeit verdeutlichten, die zwischen ihnen und den Blockflötisten nötig ist, um alle klanglichen Möglichkeiten des Instrumentes ausschöpfen zu können.  Die ZHDK und das Organisationsteam hatten weder an den exzellenten Technikern noch an den Zuschüssen für Kompositionsaufträge gespart, was nicht zuletzt der Raffinesse der Studenten im Auftreiben von Fördergeldern geschuldet ist und wofür ihnen ein besonderer Dank  gebührt.
Aufgelockert wurde die Abfolge der Konzerte durch die parallel stattfindende Instrumentenausstellung der Schweizer Blockflötenbauer, die in diesem Jahr eine neue Art der Präsentation testeten und Kurzreferate zu Neuentwicklungen, Forschungsarbeiten oder musikpädagogischen Aspekten des Blockflötenbaus hielten. So ging am Sonntagmittag ein (klang-)ereignisreiches Wochenende zur Neige – ein letztes Mal passierten die Besucher den Empfangstisch im Foyer der Hochschule, erwarben vielleicht noch eine oder mehrere CDs der teilnehmenden Künstler und verließen die ERPS-Biennale mit der Aussicht auf eine Neuauflage im Jahr 2013. Wer weiß, wo sich die Blockflöte dann befinden wird…
                                                                                                                         Olga Philine Klären

 

Stand: 25.12.11